Geschichte

von Günther Spannaus

 

Es begann in Zeiten des Mangels. Der Mangel war der Alltag in den Jahren nach dem Kriegsende. Mangel an Essen, Mangel an Kleidung, Mangel an Wohnraum, Mangel an Heizung, Mangel an Arbeit und eine ungewisse Zukunft. Aber diese Zeit war auch die Zeit der geistigen Neugier. Vorträge, Theateraufführungen, Konzerte, unter einfachsten Bedingungen in primitiven Sälen veranstaltet, waren ausverkauft und wurden angenommen wie eine lang entbehrte Gabe. Von Art und Inhalt der Veranstaltungen in der frühesten Zeit nach Kriegsende zeugt höchstens noch ein zwischen Buchseiten liegengebliebener Programmzettel, falls es einen solchen überhaupt gab,1 denn eine Zeitung, in der wir heute nachblättern können, war in Northeim nach dem Willen der Militärregierung anfangs nicht erlaubt.

Welche Veranstaltungen stattgefunden haben, ist erst besser zu verfolgen, seit im April 1946 die „Northeimer Amtlichen Bekanntmachungen“ mit dem „Northeimer Anzeigenblatt“ erschienen.2 Auf meistens einmal wöchentlich vier Seiten brachte dieses Blatt nicht nur rein amtliche Bekanntmachungen, sondern auch kulturelle Hinweise, wie das Programm der seit März 1946 bestehenden Volkshochschule. Der bezahlte Anzeigenteil enthielt neben den Anzeigen der beiden Kinos, kleinen Todesanzeigen, Geschäfts- und vielen Tauschanzeigen, auch Anzeigen kultureller Veranstaltungen. So zählt man ab Mai bis Dezember 1946 ca. 18 kulturelle Veranstaltungen. Diese 18 Veranstaltungen gliederten sich in 15 Konzerte, eine Lesung und mindestens zwei Theateraufführungen. Von den 15 Konzerten wurden 5 von einheimischen und 10 von auswärtigen Künstlern ausgeführt. Die kammermusikalische Besetzung überwog, doch fanden auch in der St.-Sixti-Kirche ein Kirchenkonzert mit dem Städtischen Orchester Göttingen und im „1910er Zelt“ zwei Konzerte vom Volkschor Northeim statt. Alle diese Veranstaltungen kamen aber mehr oder minder zufällig zustande und eine gewisse Einseitigkeit wie auch Terminüberschneidungen waren die Folge.

Inzwischen hatte sich das Theater einen festen Platz in Northeim erobert. Im Rahmen einer „Kulturgemeinde“ wurde Anfang 1947 ein Theaterabonnement eingerichtet, von dem sofort zwei ausverkaufte Reihen aufgelegt werden mussten. Bespielt wurden diese Abonnements durch eine Reisebühne mit Sitz in Osterode. Die Aufführungen fanden im „1910er Zelt“ statt, das nun im Rahmen der damaligen Möglichkeiten von der Stadt hergerichtet wurde. Dieses „Zelt“ wurde dabei in „Städtischer Saalbau“ umgetauft und war bis zum Bau der Stadthalle der einzige große Saal in Northeim, in dem aber kein Veranstalter so recht heimisch geworden ist.

Der Erfolg des Theaterabonnements ermutigte den Kulturausschuss der Stadt Northeim zu einem nächsten Schritt und am 5. September 1947 steht in den „Amtlichen Bekanntmachungen“ ein Aufruf zu einem Konzert-Abonnement: „nach der Theater-Gemeinde, die alle die Theaterfreunde umfaßt, die sich auch zu Beginn der kommenden Winterspielzeit in erfreulich großer Zahl zu einem Abonnement entschlossen haben, soll nun auch eine Konzert-Gemeinde eine bisher fühlbare Lücke im Kulturleben unserer Stadt ausfüllen... Wie beim Theater sollen auch beim Konzertabonnement gute Leistungen und über dem Durchschnitt liegendes Niveau des Gebotenen Maßstab für alle Veranstaltungen sein. Der Konzertplan sieht für die Zeit vom September 1947 bis April 1948 acht Abonnementskonzerte vor. Der Preis für das gesamte Abonnement beträgt RM 24,--. Bei Konzerten größeren Rahmens wird ein Zuschlag von RM 2,-- bis 3,-- nötig sein.“

Die Leitung und Organisation des Abonnements übernahm Wilhelm Spannaus, Inhaber der Buchhandlung C. Spannaus in Northeim, im Einvernehmen mit dem Kulturausschuss der Stadt Northeim. Das Musikleben in der Stadt war ihm ein Anliegen und auch der Vorverkauf für das Theaterabonnement lag in den Händen seiner Buchhandlung.

Die oben angeführte Notiz in den „Amtlichen Bekanntmachungen“ erreichte lange nicht alle Interessenten und so wurde mit Aushängen in den Schaufenstern, Handzetteln und Umläufen in Behörden und Vereinen geworben. Es meldeten sich ungefähr 280 Mitglieder, die im Oktober 1947 das folgende Begrüßungsschreiben erhielten, in dem zum ersten mal die Bezeichnung „Konzertring“ verwendet wurde:

„Nach Abschluß der Vorarbeiten und gefördert durch das erfreulich große Interesse, das in den vorliegenden Voranmeldungen zum Ausdruck kommt, kann der Northeimer Konzertring seine Arbeit beginnen. Die Mitglieder, die sich bereits vorangemeldet haben, werden gebeten ihre Mitgliedskarten bis zum 31. Oktober in der Buchhandlung Spannaus abzuholen. Der Mitgliedsbeitrag von 24,-- RM, der mit 3,-- RM je Veranstaltung in Anrechnung gebracht wird, kann im Ganzen oder in Raten bezahlt werden.3 Das Programm des Konzertrings hat nunmehr feste Formen angenommen und soll unter Vorbehalt notwendiger Termin-Änderungen, wie folgt durchgeführt werden“: (Bei vier Konzerten mußten die Termine aus irgendwelchen Gründen verschoben werden. In der nun folgenden Liste sind die Veranstaltungen so aufgeführt, wie sie endgültig stattgefunden haben.)

1. Mittwoch, 05.Nov. 1947

Göttinger Madrigalchor,

Ltg. Martin Anders

 

 

 

2. Sonntag, 30.Nov. 1947

Barchet-Quartett

Streichquartett d. Stgt. Kammerorchesters

3. Sonntag, 07. Dez. 1947

Lieder- u. Duettabend

G.Weber, Sopran,

H.Hennecke, Alt

4. Sonntag, 18.Jan. 1948

Symphonie Konzert

Städt. Orchester Göttingen, F.Lehmann

5. Sonntag, 01.Febr. 1948

Cello-Abend

Prof. F.Faßbender, Cello

R.Dahlgrün, Klavier

6. Samstag, 28.Febr. 1948

Sonaten-Abend

Werner Heutling, Violine

Manfred Heutling, Klavier

7. Mittwoch, 10.März 1948

Klavierabend

Maria Dombrowski

 

 

 

8. Donnerst., 22.Apr. 1948

Stuttgarter Kammerorchester

Ltg. Karl Münchinger


 

In dieser Zeit gab es in Northeim nur drei große Räume, in denen Konzerte veranstaltet werden konnten: Für geistliche Musik die St.-Sixti-Kirche, für die Kammerkonzerte die Aula des heutigen Corvinianum und später, ab 1959 bis zum Umzug in die Stadthalle, die Aula der heutigen Martin Luther Schule.4 Dieser Saal hatte nur 330 Sitzplätze. Als das Abonnement sich durch das Schülerabonnement sehr vergrößerte, musste man für die Kammerkonzerte, die nur in diesem Saal stattfinden konnten, das Schülerabonnement leider ausklammern. Alle größeren Konzerte fanden in dem schon erwähnten Städtische Saalbau, dem Festzelt des Schützenvereins von 1910, statt. Dieser Saal konnte in der Bestuhlung des Konzertrings schließlich 612 Plätze aufweisen und es hat an Bemühungen nicht gefehlt, ihn in einen Konzertsaal zu verwandeln. Wer diesen Saalbau und sein Umfeld am Mühlenanger heute sieht, kann sich kaum noch vorstellen, wie man sich damals im Dunkeln, auf einem unbefestigten Weg von Pfütze zu Pfütze springend bis zum Eingang vorarbeiten musste. Diese Verhältnisse besserten sich zwar mit der Zeit, aber die Akzeptanz des Saalbaus durch das Konzertpublikum blieb ein ewiges Thema. Der langjährige erste Vorsitzende des Konzertrings, Heinz Günter Karbaum, ließ es sich nicht verdrießen, Sonntag für Sonntag, wann immer ein Konzert anstand, mit freiwilligen Helfern diesen Saal herzurichten und zu dekorieren. Das ganze Saalproblem war erst ausgestanden, als mit dem Konzertwinter 1977/78 die neu erbaute Stadthalle bezogen werden konnte, in der von nun an alle Konzerte stattfanden. Hier und erst recht in dem nach dem Brand von 1986 errichteten Neubau war der angemessene Rahmen für die Konzerte geschaffen. Der Vollständigkeit halber sollte noch erwähnt werden, dass man zu Beginn der 60er Jahre versuchsweise einige Konzerte in der Aula der neu gebauten Kreisberufschule5 und in dem großen Saal des Kinos „Capitol“ durchführte.6

Und noch eine zweite Abschweifung, die 50er Jahre betreffend:
Durch den Zustrom von Flüchtlingen und Vertriebenen, wuchs die Bevölkerung der Region schlagartig auf mehr als das Doppelte. Menschen unterschiedlichster Herkunft und mit verschiedensten Interessen wurden willkürlich über Stadt und Land verteilt und mussten sich notdürftig einrichten. Informationen erreichten die Bewohner auf dem Lande nur verspätet, wie z.B. eine Interessentin aus Fredelsloh schrieb: „leider erfahren wir hier abseits viel zu spät davon und hätten gern schon manches gesehen und gehört.“ Und das zweite Problem der zahlreichen Konzertinteressenten auf dem Lande war: „wie kommen wir ins Konzert und wieder zurück?“ Einen Privatwagen besaß zunächst kaum jemand und so waren die Besucher auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, die zu Anfang auch nur spärlich fuhren. Aber es gab in manche Richtungen die sogenannten Kinobusse. Vor allem an den Wochenenden fuhren die letzten Busse von Northeim nach Ende der Kinovorstellungen, weshalb die Konzerttermine, wenn irgend möglich, auf den Sonntag gelegt wurden. Zu größeren Konzerten und Oratorien, die meistens nachmittags stattfanden, organisierte die Geschäftsstelle Sonderfahrten in wenigstens drei Himmelsrichtungen, für die Voranmeldungen gesammelt wurden. Als später der Stadtbusverkehr aufgenommen wurde, fuhren gegen eine Ausfallgarantie mehrere Jahre Sonderbusse vor und nach dem Konzert zum Städtischen Saalbau. All diese mühselige organisatorische Kleinarbeit war besonders in der Zeit der 50er Jahre notwendig, damit überhaupt eine annehmbare Anzahl von Konzertbesuchern zusammenkam. Man kämpfte um jeden Abonnenten. Im Konzertwinter 1958/59 kamen von 2336 Besuchern ungefähr 600 aus dem Kreisgebiet.

Das erste Abonnement 1947/48 des Northeimer Konzertrings war ein Erfolg. Es kamen 3.200 Besucher, das waren 400 Besucher pro Veranstaltung und bei einem Einnahme/Ausgabe-Volumen von 15.000 RM, betrug der Überschuss 2.200 RM., Man muss noch dazu sagen, dass hier nicht nur niemand einen Zuschuss bezahlt hat, sondern dass die Stadt Northeim von der Gesamteinnahme 10 % Vergnügungssteuer kassierte, den „ermäßigten“ Satz, den man immer erst wieder beim Landkreis beantragen musste.

Im April 1948 wird auf den Programmzetteln des letzten Abonnementskonzertes angekündigt: „Vielfachen Anregungen entsprechend, plant der Konzertring Northeim auch in den kommenden Sommermonaten ein neues Abonnement aufzulegen. In Aussicht genommen sind 8 Konzerte, etwa monatlich ein Konzert.“ Auch dieses Abonnement kam zustande und das erste Konzert war am Sonntag, den 30. Mai l948 im Städtischen Saalbau. Das Barchet Quartett spielte ein anspruchsvolles Programm: Prokofieff, Schubert, Brahms.

Aber das war für lange Zeit auch das letzte Konzert, das unter „regulären“ Bedingungen stattfand, denn am 20. Juni 1948 erfolgte die Währungsreform. Alle Guthaben wurden im Verhältnis 10:1 umgestellt, die der öffentlichen Hand gingen z.T. ganz verloren. Auch das Guthaben des Konzertrings in Höhe von ca. 3.300 RM schwand dahin und auf weitere Einnahmen war nicht zu hoffen. Die Geschäftsführung zog die Notbremse und verschickte eine hektographierte Postkarte an alle Vertragspartner: „Die durch die Währungsreform geschaffene Lage veranlaßt uns, alle geplanten Veranstaltungen bis auf Weiteres auszusetzen. Über bereits vereinbarte Termine geben wir noch besondere Nachricht. Auf Ihre Vorschläge werden wir zurückkommen, so bald sich die Möglichkeit ergibt, die Veranstaltung mit einiger Aussicht auf Erfolg durchzuführen.“

Aus dieser Zeit liegt noch eine handschriftlich geänderte Künstlerliste der „Konzertdirektion für Niedersachsen“ vor, in der die Vergütungen für die Künstler drastisch heruntergesetzt sind und die neuen DM-Honorare nur noch weniger als die Hälfte der alten RM-Honorare betragen. Aber auch diese reduzierten Honorare konnten nicht eingespielt werden, wie es sich aus den Abrechnungen der nächsten beiden Konzerte ergab. Wilhelm Spannaus, als Geschäftsführer und eigentlicher Begründer des Konzertringes, hatte es nicht für möglich gehalten, dass außer den geänderten Einkommensverhältnisse auch das Interesse des breiten Publikums sich so verändern konnte und versuchte noch zwei Konzerte aus der Abonnementsplanung zu verwirklichen. Dabei war ihm besonders das Stuttgarter Kammerorchester hinsichtlich der Garantiesumme weitgehend entgegengekommen; aber das Bach-Konzert vom 19. Oktober 1948 in der St.-Sixti-Kirche war bei niedrigsten Eintrittspreisen schlecht besucht und nur Andeutungen in späteren Briefwechseln lassen ahnen, wie alle Beteiligten zu einem Kompromiss gelangten, um die finanzielle Katastrophe zu vermeiden. In einem Brief an die GEMA schreibt Wilhelm Spannaus Anfang 1949: „Der Konzertring war eine Vereinigung von Abonnenten, die seit dem Tage X (Währungsreform) ruht. Die Geschäftsführung lag in meinen Händen und wurde von der Stadt kontrolliert....es besteht die Absicht, sobald die Lage es erlaubt, den Ring wieder aufzustellen.“ In einem Brief vom 13. Januar 1949 an das Stuttgarter Kammerorchester zeichnet er ein ganz trübes Bild: „Trotz dringenden Abratens haben mehrfache Versuche der Künstler, Konzerte auf eigenes Risiko zu unternehmen, zu bösen Fehlschlägen geführt.“ und „..der städtische Kulturausschuss, der die Möglichkeit zu einer neuen, großen Werbung hätte geben können, ist seit seiner Neuwahl immer wieder durch vordringliche städtische Belange vertagt worden.“

Trotzdem fanden weiter Konzerte in Northeim statt, die meist von einheimischen Künstlern bestritten wurden. Die Organisation und der Vorverkauf lagen in der Regel in den Händen der Buchhandlung Spannaus. Nach der Wiedereröffnung des Hotel Sonne am 26. Februar 1949 stand nun auch ein intimer Saal für Kammermusik mitten in der Stadt zur Verfügung. Aber der Besuch der Veranstaltungen und die Einnahmen ließen nach wie vor zu wünschen übrig, was eigentlich auch kein Wunder war, denn noch war das Geld so knapp, dass die niedrigen Löhne und Gehälter in wöchentlichen Raten gezahlt werden mussten. Dieses Geld sollte für die jetzt wieder möglichen dringendsten Anschaffungen und besseres Essen reichen. Da war in der Breite für kulturelle Ausgaben nichts mehr übrig!

Im Anschluss eines Göttinger-Konzertes fand im November 1949 noch einmal ein Konzert des Stuttgarter Kammerorchesters in Northeim statt, das auch nicht als finanzieller Erfolg bezeichnet werden konnte. Im Zuge dieses besonderen Konzertes erfolgte aber unverdrossen eine neue unverbindliche Anfrage an die Besucher, ob Interesse an einer Neugründung des Konzertrings bestünde. Wie die nun wieder erscheinenden Northeimer Neueste Nachrichten berichteten, lagen ungefähr 100 Unterschriften vor. Trotzdem scheinen alle Bemühungen nicht ausgereicht zu haben, die erforderliche Mitgliederzahl für eine feste Abonnementsreihe zu erreichen. So war das Konzertjahr 1950 noch geprägt durch Veranstaltungen, die zum Teil durch die Buchhandlung Spannaus als ehemalige Geschäftsstelle organisiert wurden, wobei aber die Künstler auf eigenes Risiko spielten.

Die ab 1951 beginnende Entwicklung des Konzertring kann man in drei Abschnitte einteilen:
1951 bis 1958,von der„freien Vereinigung der Musikfreunde“, bis zum eingetragenen Verein.

  1. 1958 bis 1994, die Periode unter dem Vorsitz von Heinz Günter Karbaum.

  2. Die Gegenwart unter dem Vorsitz von Ditmar Goll und jetzt Thomas Constien.

Der Anstoß zur endgültigen Neugründung kam von außen. Das städtische Orchester Göttingen war 1950 in eine Krise geraten und über einen Trägerverein unter dem Namen „Göttinger Symphonie-Orchester e.V.“ neu organisiert worden. War das Orchester bisher nur gelegentlich im Umland tätig geworden, so baute der neue Dirigent Günther Weißenborn diese Sparte der Dienstleistung systematisch aus. Auch in Northeim wurde angeklopft und der damalige Stadtdirektor Adolf Galland verwies auf den Buchhändler W. Spannaus, der zusammen mit Pastor Sassenberg, Großenrode, Rektor Weitzel und dem Zeitungsverleger Paul Hahnwald einen vorbereitenden Ausschuss zur Wiederbelebung des Konzertrings gründete. Mit Hilfe der Presse und mit Wohlwollen der Stadtverwaltung wurde die Werbung auf eine breite Basis gestellt. Ein Werbekonzert von Mitgliedern des Göttinger Symphonie-Orchesters mit einer zündenden Ansprache von Pastor Sassenberg im Saal des Hotel Sonne taten ihr Übriges. Für dieses Abonnement im Konzertwinter 1951/52 kam ein Grundstock von 216 Abonnenten zusammen. Wie eingangs erwähnt, waren 8 Konzerte vorgesehen, darunter eine Weihnachtsmusik der Göttinger Stadtkantorei und die „Missa solemnis“ von Beethoven, aufgeführt vom Chor der Musikgemeinde Osterode mit dem Göttinger Sinfonie-Orchester unter Leitung von Kantor Fischer, Osterode. Die Abonnementspreise für diese 8 Konzerte betrugen auf dem I. Platz DM 22,--, auf dem II. Platz DM 17,-- und auf dem III. Platz DM 9,-- dazu gab es noch im Einzelverkauf ermäßigte Plätze und Schülerkarten. Hinsichtlich des Besuches war dieses neue Abonnement ein großer Erfolg. Jedes Konzert wurde von durchschnittlich 450 Hörern besucht. Finanziell wäre es, der niedrigen Eintrittspreise wegen, zu einem Fehlbetrag gekommen, wenn die Stadt nicht auf einen Teil der Vergnügungssteuer verzichtet hätte und durch einen privaten Spender der Rest ausgeglichen worden wäre.

Aber im Sommer 1952 schien die Existenz des Göttinger Symphonie-Orchesters und damit auch die Existenz des Konzertrings schon wieder ernstlich bedroht. Erst im Oktober konnte der Konzertring mit der Werbung beginnen und schrieb an seine Mitglieder und Freunde: „Die Frage ob das Göttinger Orchester wie im vergangenen Jahr, seine großen Konzerte durchführen kann, ist erst jetzt zu einem guten Ende geführt.“ Geplant waren außer einem anfänglichen Werbekonzert im Städtischen Saalbau, sechs Konzerte, darunter am Totensonntag eine Aufführung des Deutschen Requiems von Brahms durch den Händel-Chor Göttingen und ein Sinfoniekonzert mit Enrico Meinardi als Solo-Cellist. Zwar musste das angekündigte Weihnachtskonzert wegen Terminschwierigkeiten ausfallen, aber mit einem Durchschnittsbesuch von 342 Hörern pro Konzert und einem ausgeglichenen Abschluss war auch diese Saison 1952/53 ein Erfolg.

Bis 1958 waren die Konzertwinter vom Programm her durch die Zusammenarbeit mit dem Göttinger Symphonie-Orchester geprägt. In der engeren und weiteren Umgebung Göttingens bespielte das Orchester ca. 18 Orte, zwar immer mit dem Rücken an der Wand der finanziellen Existenz, aber mit einem künstlerisch ausgesuchten, ansprechendem Programm und wie man in den Kritiken nachlesen kann, auf hohem Niveau. Das Abonnement pendelte sich auf sechs Konzerte pro Saison ein. Das waren damals drei Orchester-Konzerte, z.T. mit bedeutenden Solisten, einem oder zwei Oratorien und entsprechend ein oder zwei Kammermusiken. Es gab auch Sonderveranstaltungen, z.B. eine Aufführung von Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ (eine Tourneeplanung des Göttinger Symphonie-Orchesters). Die Zusammenarbeit mit dem Göttinger Symphonie-Orchester, die hier in Northeim vor allem auch auf der Persönlichkeit des Dirigenten Günther Weißenborn begründet war, endete abrupt im Winter 1958 als Weißenborn Göttingen verließ.7 In diese Lücke sprang das Niedersächsische Symphonie-Orchester mit Helmut Thierfelder ein und blieb nun das bevorzugte Sinfonie-Orchester in der nächsten Zeit. Ebenso wurde die ganze Konzertplanung von nun an in eigene Regie genommen.

Die Entscheidungsebene des Konzertrings bis zur Vereinsgründung war eine Art engerer Kreis, zu dem außer Wilhelm Spannaus vor allem Paul Hahnwald, Pastor Sassenberg und für die Kassenführung der ehemalige Stadtkämmerer Albert Jebens gehörte. Aber die ganze Arbeit der Finanz- und Terminplanung und auch die vielen Kleinigkeiten wie Schriftwechsel, Programmdruck, Organisation von Bussen für die auswärtigen Besucher und immer wieder: Werbung von Abonnenten, die auf Wilhelm Spannaus und seiner Buchhandlung lagen, waren neben der täglichen Arbeit im Geschäft kaum noch zu schaffen. Hier fand sich für die Jahre 1954 bis Anfang 1956 eine entscheidende Hilfe durch den stud. rer. pol. Horst Roeder, der eigentlich als Volontär an den Northeimer Neueste Nachrichten arbeitete. Er übernahm für diese Zeit praktisch alle „Regularien“ des Konzertrings und stellte sie auf eine organisatorisch gesicherte Basis. Auch die vorher schon so oft diskutierte Vereinsgründung wurde mit der Gründungsversammlung vom 13. Mai 1955 Wirklichkeit. Der erste Vorstand war damals:

  • 1.Vorsitzender Wilhelm Spannaus

  • 2.Vorsitzender Pastor Sassenberg

  • Schriftführer Dr. Günther Spannaus (Bruder von W. Spannaus)

  • Kassenwart Albert Jebens.

Da die Diskussion über die Satzung im Einzelnen noch nicht zu Ende geführt war, wurde eine Eintragung beim Amtsgericht zwar vorgesehen, aber bis zur endgültigen Fassung der Satzung aufgeschoben. Diese Eintragung ins Vereinsregister erfolgte dann endgültig am 27. Oktober 1958.

Bei der Gründungsversammlung 1955 trugen sich 32 Mitglieder ein. Später erhöhte sich der Mitgliederbestand des Vereins erheblich und hat sich jetzt um 100 Mitglieder stabilisiert. Der Mitgliedsbeitrag betrug lange Zeit mindestens DM 6,-- pro Jahr und wurde dann auf einen Mindestbeitrag von DM 12,-- pro Jahr erhöht. Das Bestreben war, auch im Verein einen möglichst hohen Mitgliederbestand zu erhalten, nicht nur um der Beitragseinnahme willen, sondern vor allem um einen Stamm ernsthafter Interessenten nachweisen zu können. Es zeichnete sich nämlich ab, dass ein Abonnement auf diesem Niveau aus Eigenmitteln nicht mehr zu finanzieren war, und hier nun die Hilfe der öffentlichen Hand in Anspruch genommen werden musste. Diese Zuschüsse kamen dann auch: Erstmalig im Konzertwinter 1955/56 von der Stadt, später folgten der Landkreis und die Mittel aus der Zonenrandförderung. In Folge der politischen Entwicklung und der Sparmaßnahmen seit den 90er Jahren fielen die Zonenrandförderung und der Zuschuss des Landkreises weg. Trotzdem konnte der Konzertring seine Arbeit mit Hilfe des Landschaftsverbandes Südniedersachsen e.V. und durch Sponsoring der Kreis-Sparkasse fortsetzen. An dieser Stelle sei auch den privaten Spendern gedankt, die durch erhöhte Mitgliedsbeiträge und Einzelspenden besondere Vorhaben des Konzertrings fördern.

Das Jahr 1958 brachte nicht nur die Etablierung des Vereins als „eingetragener Verein“ sondern auch eine Wende im Vorsitz. Wilhelm Spannaus hatte dem Vorstand seinen Entschluss mitgeteilt, sein Amt als 1. Vorsitzender zur Verfügung zu stellen: „da mein Alter und meine geschwächte Gesundheit mir es nicht gestatten, die anfallenden Aufgaben so auszuführen, wie es erforderlich ist. Mein Wunsch ist es, daß nun jüngere Kräfte es ermöglichen, das bisher Erreichte fortzuführen und weiter auszubauen.“

Als der neue 1. Vorsitzende wurde auf Vorschlag des Vorstandes der bisherige Schriftführer Heinz Günter Karbaum gewählt Er war als Studienassessor für die Fächer Musik und Erdkunde in der Mitte der 50er Jahr an das Gymnasium Corvinianum in Northeim versetzt worden und empfand für die Musik nicht nur Begeisterung sondern auch einen pädagogischen Auftrag, der mit einem realistischen Organisationstalent gepaart war. Wilhelm Spannaus und Karbaum fanden sich schnell in ihrer Liebe zur Musik und Spannaus erkannte, dass hier der rechte Mann gekommen war, um sein Werk weiterzuführen. Karbaums Absichten richteten sich auf eine qualitätsbewusste musikalische Breitenarbeit über die Schule hinaus. Hierbei kam ihm die Organisation des Konzertrings entgegen und schon im Konzertwinter 1956/57 startete er das von ihm in dieser Form entwickelte Schülerabonnement mit 92 Schülern. Innerhalb dieses Schülerabonnements konnten Schüler der Mittel- und Oberstufen über die Schule Abonnementskarte für weniger als die Hälfte des regulären Abonnementspreises erwerben. Soweit es sich dabei um die Schüler des Corvinianum handelte, erweckte er durch einführende Hinweise im Musikunterricht bei vielen Heranwachsenden ein nachhaltiges Interesse an den Konzerten. Der hohe Anteil von Jugend unter dem Konzertpublikum wurde auch von den ausübenden Künstlern bemerkt und positiv bewertet. In dieses Schülerabonnement wurden dann auch alle anderen weiterführenden Schulen einbezogen und es besteht noch heute.

Nach dem Protokoll der Hauptversammlung vom 25. September 1958 setzte sich der neue Vorstand nun in seiner Gesamtheit aus sieben Mitgliedern zusammen.

  • 1. Vorsitzender Studienrat Heinz Günter Karbaum

  • stellv. Vorsitzende Rechtsanwalt Willi Bolien

  • Schriftführerin Brigitte Spannaus

  • Kassenwart Stadtkämmerer a. D. Albert Jebens

  • Beisitzer Wilhelm Vordemfelde und Rosa Vogt

  • als Beauftragter der Stadt Northeim Ernst Hauck8

Wilhelm Spannaus wurde zum Ehrenvorsitzenden gewählt und blieb dem Konzertring bis zu seinem Tode 1966 eng verbunden. Für seine Verdienste um das kulturelle Leben in der Stadt Northeim erhielt er 1963 den Wappenteller der Stadt Northeim. Das Lebensprinzip von Spannaus war der Ausgleich, den er auch bei der Gestaltung des musikalischen Lebens in Northeim stets gesucht hat. „Northeim ist zu klein, es kann sich auf dem Gebiet der ‚ernsten‘ Musik keine Rivalitäten erlauben, ohne dass alle darunter leiden“, war sein Standpunkt, den er durch die Tat verwirklichte und den kommenden Vorstandsmitgliedern als Vermächtnis hinterließ. So stand er von Anbeginn im Kontakt zum Orchester der Volkshochschule, als Sammelplatz aktiver Musikfreunde, und veranstaltete mit ihm 1956/57 auch ein Abonnementskonzert. Mit dem neuen Kirchenmusiker an St.Sixti Götz Wiese hatte er sofort engen Kontakt, der bewirkte, dass Wiese später als Beisitzer im Vorstand des Konzertrings mitarbeitete, wie es sein Nachfolger Hans Braun heute noch tut.

Schaut man von heute zurück, so war das Erfolgsgeheimnis des Konzertrings die Zusammensetzung des Vorstandes und die engagierte Arbeit der Vorstandsmitglieder. Zehn Jahre später, auf dem Stand von 1968 sah es folgendermaßen aus:

  • 1.Vorsitzender:
    Heinz Günter Karbaum: Programmgestaltung, Schriftwechsel mit Agenturen und Behörden, Schülerabonnement, Vorbereitung der Sitzungen., Herrichtung und Kontrolle der Konzerträume vor den Aufführungen

  • stellv. Vorsitzender:
    Rechtsanwalt Willi Bolien, Rechtsfragen, Vereinssachen

  • Schriftführerin:
    Brigitte Spannaus, Verbindung zur Geschäftsstelle in der Buchhandlung Spannaus, Werbung, Ausgabe der Abonnementskarten

  • Kassenwart:
    Günther Spannaus, (Inhaber der Buchhandlung Spannaus), Buchführung für das Abonnement, Überwachung des Mitgliederbestandes und Kassieren der Beiträge, Schlussabrechnungen und Verwendungsnachweise über die erhaltenen Zuschüsse.

  • Beisitzer:
    Paul Hahnwald, (Zeitungsverleger und Druckereibesitzer) unterstützte die Arbeit am Northeimer Konzertring seit Anbeginn. durch besonnenen Rat und aktive Pressearbeit.

  • Beisitzer:
    Götz Wiese, Verbindung zu Veranstaltungen der Kirchenmusik, Programmgestaltung.

  • Als Vertreter der Stadt Northeim:
    Rektor Gerhard Holfter, Aufsichtsfunktion von Seiten der Stadt, aber doch mehr Verbindungsmann für die Wünsche des Konzertrings an die Stadt.

Im Laufe der Jahre gab es wenig Wechsel. Rechtsanwalt Bolien schied als stellvertretender Vorsitzender aus und wurde durch Horst Kundrus ersetzt, der als Steuerberater über juristische Erfahrung verfügte, und Paul Hahnwald zog sich aus der aktiven Vorstandsarbeit zurück. Als Heinz Günter Karbaum plötzlich im Sommer 1994 starb und nicht nur im Konzertring eine große Lücke hinterließ, bewährte sich das eingespielte Team bei der Suche nach einem neuen 1. Vorsitzenden. Er fand sich in dem jungen Privatmusiklehrer Ditmar Goll, einem ehemaligen Schüler Karbaums. Dieser brachte sowohl die fachliche Qualität als auch die organisatorische Erfahrung mit, um dem Konzertring in der ganzen Breite vorzustehen, und unter seiner Leitung erreichte das Konzertabonnement im Jahr 2000 seinen bisher höchsten Stand von 570 Abonnenten. Einen weiteren Wechsel gab es 1995. Brigitte und Günther Spannaus verließen den Vorstand aus Altersgründen. An ihre Stelle traten Elisabeth Giessler als Schriftführerin und Wolfram Schmidt als Kassenwart, außerdem wurde Rainer Frederking als neuer Beisitzer gewählt. Vorher hatte Günther Spannaus seine Buchhandlung, die ja seit Anbeginn den Konzertring nach außen repräsentierte, an Rainer Frederking verkauft, der sich gleich bereit erklärte, die Ausgabe der Abonnements und den Kartenverkauf für den Konzertring wie bisher weiterzuführen und der nun in den Vorstand nachrückte.

Aus beruflichen Gründen und da er sich auch als Leiter des Volkshochschulorchesters und des Northeimer Nachwuchsorchesters dem musikalischen Leben in Northeim in anderer Weise sehr verpflichtet hatte, bat Ditmar Goll den Vorstand, ihn von der Leitung des Konzertrings zu entbinden. Der Vorstand entsprach seinem Wunsch und als neuer 1. Vorsitzender wurde in der Jahreshauptversammlung vom 13. August 2001 Thomas Constien, Oberstudienrat und Fachleiter für Musik am Gymnasium Corvinianum gewählt. Gleichzeitig schied Elisabeth Giessler aus und Oberstudienrat Hans Harer trat an ihre Stelle als Schriftführer.

War in den letzten Absätzen vom Vorstand des Konzertrings die Rede, so soll doch nun noch etwas zu dem eigentlichen Vereinszweck gesagt werden, nämlich: „gute Musik zu pflegen und die Veranstaltung guter Konzerte zu ermöglichen“.

Noch in der Hauptversammlung vom 25. September 1958 griff Heinz Günter Karbaum das Thema Städtischer- bzw. 1910er-Saalbau wieder auf und versuchte mit Nachdruck bei der Stadt und vom Land Mittel zum Ausbau dieses Saales zu beschaffen. Seine Bemühungen, die bis zu konkreten Kostenvoranschlägen gediehen, scheiterten aber zum Schluss an den ungeklärten Besitzverhältnissen des Gebäudes und alles mündete in ein lang hingehaltenes Provisorium.
Ein Erfolg dagegen waren seine Bemühungen um einen Konzertflügel. Bisher war in der Stadt kein vorzeigbares Instrument vorhanden und für eine große Zahl von Konzerten und Kammermusik-Abenden musste ein Konzertflügel für teures Geld aus Göttingen oder Hannover angemietet werden. Um diesem Übelstand abzuhelfen regte Karbaum an, den Mitgliedsbeitrag des Vereins zweckgebunden für die Anschaffung eines Flügels zu verwenden und rief gleichzeitig im Herbst 1959 zu einer Spende auf. Durch geschickten Einsatz der hierbei gesammelten DM 2.000 und den Zuschüssen von Stadt, Landkreis und aus Zonenrandmitteln konnte bereits 1961 ein Steinway-Flügel beschafft werden. Dieser Flügel erhielt seinen Standort in der Aula der heutigen Martin-Luther-Schule und wurde in einem Matinee-Konzert von Prof. Karl Engel, Hannover eingeweiht.

Über die Programmgestaltung und Konzerte bis 1958 ist schon weiter oben ausführlich berichtet und auf die Programme der verflossenen 43 Jahre auch nur annähernd einzugehen, verbietet der zur Verfügung stehende Platz. Immerhin sollen einige Leitlinien erwähnt werden, die sich bei der Planung der Konzerte als zweckmäßig erwiesen haben. Nicht mehr als sechs Konzerte in einer Spielzeit und diese aufgeteilt zwischen zwei bis drei Sinfoniekonzerte mit großem Orchester und Solisten und einer entsprechenden Zahl Konzerte mit kleinerer Besetzung. Diese kleinere Besetzung rechnet sich vom Kammerorchester bis zum Soloauftritt, der bei den akustischen Verhältnissen in der Stadthalle durchaus möglich ist, wie das erfolgreiche Harfenkonzert von Jana Bouskova im Herbst 1994 beweist. Um eine weitere Möglichkeit zu nutzen, hochwertige Konzerte zu erschwinglichen Preisen zu veranstalten, trat der Konzertring 1963 dem Veranstalterring „Bundesauswahl Konzerte junger Künstler“ bei. Er verpflichtete sich damit, jährlich ein Konzert begabter Nachwuchskräfte abzunehmen. In dieser Reihe trat 1966 - unter anderen inzwischen bekannt gewordenen Künstlern - der heute berühmte Dirigent Christoph Eschenbach mit einem Klavierabend in Northeim auf. Später wurde aus diesem Angebot eine Matinee-Reihe bestritten, die sich durch originelle Besetzungen und anspruchvolle Programme auszeichnete.

Die Ankündigungen der Northeimer Abonnements Konzerte erscheinen seit 1965 im einheitlichen Format DIN A 5 quer. Beim Durchblättern dieser Hefte von Saison zu Saison ist man erstaunt, wie abwechslungsreich das Programm innerhalb des selbst gesteckten Rahmens gestaltet ist. Das gilt sowohl von der Besetzung als auch von der gespielten Literatur her. Naturgemäß lag der Schwerpunkt im klassischen Bereich der Musik, aber auch Ausflüge über diese Grenzen hinaus wurden vom Publikum mit Interesse wahrgenommen. Lediglich mit der „modernen“ Musik, mit der Karbaum schon im Hinblick auf das Jugendabonnement immer wieder Versuche machte, kam man schnell an die Grenzen der Akzeptanz durch das Konzertpublikum. So hatte sich im Vorstand der Spruch herausgebildet: „moderne Musik, ja, aber nur in homöopathischen Dosen!“

Dieser Rückblick auf den Northeimer Konzertring soll mit einigen Zahlen beschlossen werden. Das Abonnement 1951/1952 begann mit 215 Abonnenten, einem Ausgabenvolumen von DM 8.227, und war zu 95 % durch Eigenmittel gedeckt. Das Abonnement 2000/2001 kann 543 Abonnenten aufweisen und hat ein Ausgabenvolumen von DM 82.411. Die Eigendeckung beträgt 72 %. Auch die früheren Konzerte sind in dieser Größenordnung durch eigene Mittel finanziert, heutzutage ein erfreuliches Ergebnis, zu dem der ehrenamtliche Einsatz von Geschäftsstelle und Vorstandsmitgliedern erheblich beigetragen hat.

1 ...und dieser Programmzettel hat sich wirklich gefunden: Sonntag, den 2. September 1945 im 1910er Saalbau Symphonie- Konzert des Hannoverschen Symphonie-Orchesters unter Leitung von Generalmusikdirektor Dr. F. Weber, Solist Wolfgang Marschner Violine. Vier Monate nach Kriegsende!

2 Northeimer Amtliche Bekanntmachungen und Northeimer Anzeigenblatt, 1. bis 4. Jahrgang, Verlag Paul Hahnwald, erschienen vom 18. 04. 1946 bis 21. 10. 1949; wurden am 27. Oktober 1949 von der wieder erscheinenden Tageszeitung Northeimer Neuesten Nachrichten (NNN) abgelöst.

3 Die Mitgliedskarten waren zwar nummerierte Platzkarten, berechtigten aber noch nicht zum Eintritt, sondern die Eintrittskarten mussten, jeweils nach Bekanntgabe des Konzerts, in der Vorverkaufsstelle gelöst werden. Bei jeder Veranstaltung wurden dann 3,-- RM auf den jeweiligen Eintrittspreis in Anrechnung gebracht. Wegen der Unsicherheiten, die in einer langfristigen Planung lagen, wurde diese umständliche Lösung gewählt, die man später bald fallen ließ.

4 Das heutige Gebäude der Martin–Luther-Schule an der Wilhelmstraße war bis 1975 das ursprüngliche Schulgebäude des Gymnasium Corvinianum

5 Wallstraße 38, jetzt Sitz der AOK

6 Teichstraße 31, später wieder abgerissen, jetzt ehemalige Landeszentralbank.

7 Der Grund war ein Streit zwischen Orchestervorstand, Dirigenten und Förderverein des Orchesters, der mit aller Leidenschaft geführt wurde. Ich erinnere mich, dass es für meinen Vater im Geschäft wochenlang kein anderes Thema gab als dieses.

8 Dieser Beauftrage ist ein vom Rat delegiertes Mitglied des Kulturausschusses und von der Versammlung nicht wählbar. Zur Zeit (2001) wird dieser Sitz durch Klaus Keerl (CDU) wahrgenommen.